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Zuletzt aktualisiert: 24.08.2010, 09:26

Suhrkamps flüchtig erstelltes Buch
Kurz-Kommentare zu ersten Rezensionen
In der Reihenfolge der Veröffentlichungen: 03.07.2010 – 05.08.2010.
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Sven Felix Kellerhoff · 03.07.2010

So etwas nennt man vorauseilenden Gehorsam. Das Buch noch Wochen von der Leserschaft entfernt, rührt Kellerhoff schon die rechtskonservativen Trommeln. Aber was soll man von Kellerhoff schon anderes erwarten. Er rühmt insbesondere den Herausgeber Veigel, der ihm bestens vertraut ist. Kellerhof gibt gerne den Gastre-ferenten oder Moderator, wenn Veigel zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung mal wieder eine DDR-Tagung für den Autorenkreis der Bundesrepublik inszeniert …

Suhrkamp zitiert daraus unter Pressestimmen: »Sowohl aus historischer wie auch aus literaturwissenschaftlicher Sicht ist das schmale Buch wichtig.«
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Sven Felix Kellerhoff · 05.07.2010

Wie üblich bei Springer –: Identischer Text der Welt-Rezension.
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Michael Opitz · 16.07.2010

Opitz bespricht das Buch insgesamt positiv, bejubelt es aber nicht. Stattdessen ein leicht ironischer Unterton in seinen Fragen und Hinweisen.

»Doch so informativ die Gespräche auch sind, es kostet einige Mühe, sie zu lesen. Das liegt daran, dass man bei der Transkription aus Gründen der Authentizität die mündliche Gesprächssituation beibehalten hat. Was also haben die Johnson-Liebhaber von diesem Buch? Sie bekommen einen Eindruck, wie Johnson akribisch gearbeitet hat, um die Realität möglichst genau beschreiben zu können. Deshalb interessierte ihn selbst die Größe des Kartons, in dem die Mappen der potentiellen Flüchtlinge abgelegt wurden.«

»Manchmal enthalten seine Fragen bereits mögliche Antworten: ›Da haben Sie doch so auch gesagt [...].‹ Und er scheint beglückt, wenn seine Vermutung mit einem ›Ja, das stimmt‹ bestätigt wird. Eine gewisse Zufriedenheit merkt man Johnson in den Gesprächen an, wenn er von bestimmten Wörtern erfährt, die die Fluchthelfer gebrauchten, und die von poetischer Kraft sind. Wer wissen will, wie es in Uwe Johnsons Dichterwerkstatt zuging, der erhält durch dieses Buch einen Einblick und erfährt: Mutmaßungen waren seine Sache nicht.«
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Volker Hage · 19.07.2010

Hage bezeichnet die Veröffentlichung der Interviews als »die spannende Vergegenwärtigung einer im öffentlichen Bewusstsein in Vergessenheit geratenen Heldentat.« Und viel weiter kommt er nicht. In Form einer braven Aufreihung werden die Bestandteile des Buches vorgestellt. Fragen oder kritische Fragen gibt es keine. Einmal Helden, immer Helden. Hage nimmt alles für bare Münze. Er verweist selbstverständlich auf das Auffinden des Tonbandes für ein Feature von SPIEGEL-TV.

Zum Schluss macht Hage eine erstaunliche Feststellung: »Eine längere Geschichte hat Uwe Johnson, der 1984 starb, dennoch über die Fluchthelfer geschrieben. Sie erschien 1965 im Kursbuch mit dem Titel ›Eine Kneipe geht verloren‹ und basierte großenteils auf den Gesprächen, die der Schriftsteller Anfang der sechziger Jahre mit den Studenten geführt hatte. Auch dieses Prosastück ist in dem neuen Johnson-Buch zusammen mit den umfangreichen, vom Herausgeber mit hilfreichen Fußnoten versehenen Vorarbeiten zu bestaunen: ein später Blick in die Werkstatt eines großen Schriftstellers und aufregende Geschichtsstunde in einem.« Hage entdeckt diese Erzählung nach 45 Jahren. Bravo. Er unterzieht sich allerdings nicht der Mühe, auch nur einen konkreten Beleg für seine Behauptung vorzulegen.

Bitte weiter zum SPIEGEL-Shop …

Suhrkamp zitiert daraus unter Pressestimmen: »Die spannende Vergegenwärtigung einer im öffentlichen Bewusstsein in Vergessenheit geratenen Heldentat. … Ein später Blick in die Werkstatt eines großen Schriftstellers und aufregende Geschichtsstunde in einem.«

Kleiner Hinweis:
Der Suhrkamp Verlag und SPIEGEL ONLINE sind Geschäftspartner.
»Die edition unseld wird unterstützt durch eine Partnerschaft mit dem Nachrichtenportal Spiegel Online. www.spiegel.de«.
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Sven Hanuschek · 20.07.2010

Dieser Rezension muss positiv angerechnet werde, dass nur Hanuschek erkennt, dass es dem Buch an einer philologischen Betreuung mangelt: »Der Herausgeber Burkhart Veigel, selbst ein prominenter Fluchthelfer und anfänglich mit Girrmanns »Reisebüro« assoziiert, bevor er seine eigene Organisation gründete, beschränkt sich auf einen rein historischen Kommentar; Girrmann und Thieme haben in kurzen Vorworten die Gelegenheit erhalten, ihre Gespräche zu kommentieren. Der Verlag hätte ihnen noch einen philologischen Herausgeber an die Seite stellen können.«

Der »rein historische Kommentar« ist mitnichten ein historischer Fach-Kommentar, sondern es handelt sich dabei ausschließlich um persönliche Bekenntnisse, die mit nicht nachgewiesenen Fakten illustriert werden. Der Ruf nach einem »philologischen Herausgeber« verweist auf das Grunddilemma des Buches.
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Cornelia Geissler · 20.07.2010

»Dass nach so langer Zeit unveröffentlichte Texte von ihm auftauchen, ist ein Ereignis. Allerdings kein literarisches, vielmehr ein literaturhistorisches. Es kommt hier nicht verschollene Prosa zum Abdruck, sondern eine mögliche frühe Vorstufe für Prosa.« Dazu kann man nichts sagen.

Fritz Kortner hätte ihr vorgehalten, dass sie einen anderen Beruf schwänze …

Suhrkamp zitiert die gleiche Passage unter Pressestimmen nach dem Motto: ›Was nicht passt, dass wird passend gemacht!‹
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Michael Bengel · 23.07.2010

»Mit der zeitlichen ›Verspätung‹ dieser Edition gewinnt der Leser aus den Vor- und Nachworten der beteiligten Zeitzeugen die erschreckende Gewissheit, dass sich die Staatssicherheit auch damals schon auf ihre ›Informellen Mitarbeiter‹ verlassen konnte, die drei Fluchten gelingen ließen, um dann hundert zu vereiteln.«

Als Kommentar nur ein Zitat von Loriot: »Ach was!?«
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Thomas Wild · 26.07.2010

»Ebenfalls im Dunkeln bleibt die Andeutung, zu der man sich Archivdokumente gewünscht hätte, der Fluchthelfer-Freundeskreis sei von der Stasi unterwandert worden.
Was passierte mit den Menschen, deren Fluchtversuche verraten wurden? Eine umsichtige Redaktion der wortwörtlich transkribierten Gespräche hätte den Band lesbarer gemacht, zumal die Original-Interviews in Suhrkamps Mediathek (www.suhrkamp.de) zu hören sind.«


Wild ist bisher der erste kritische Leser & Rezensent. Und allein diese Tatsache ist bemerkenswert.
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Gerhard Schulz · 31.07.2010

Schulz referiert den Inhalt des Buches artig. Aber er konzentriert sich letztlich auf den Text Eine Kneipe geht verloren aus dem Jahr 1965. Mehr Gewinn ist aus dieser Rezension nicht zu schlagen.

Suhrkamp zitiert daraus unter Pressestimmen: »Johnsons Erzählung … ist ein eindrucksvolles, deutlich und detailgenau erzähltes Stück über menschliche Korrumpierbarkeit, Schwäche und Angst, aber ebenso auch eines über Mut und den entschiedenen Wunsch, unabhängig und frei zu sein.«

Dieses Zitat bezieht sich ausdrücklich nicht auf das gesamte Buch. Es gilt ausschließlich der Erzählung aus dem Jahre 1965 Eine Kneipe geht verloren.
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Andreas Montag · 03.08.2010

»Nun kann man freilich des Autors vor mehr als 40 Jahren gestellte Frage aufgreifen und auf die Herausgeber des verspätet erschienenen Buches anwenden: Warum haben sie das getan? Die Frage beantwortet sich beim Lesen des Bandes von selbst. Wohl ist dies nichts aus dem Kästlein mit den süffigen Texten, aber von dieser Art ist ja auch Johnsons große Prosa nicht.«

Keine Ahnung, ob Herr Montag hauptberuflich derartige Kästlein baut.
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Kai Agthe · 05.08.2010


»An keiner Stelle wurde vom Herausgeber glättend eingegriffen, das heißt Sätze enden des öfteren im Nichts, Gedanken springen, und der Sinn so mancher Frage und Antwort erschließt sich erst durch Erklärungen in den Fußnoten. Die Lektüre der Interviews ist erhellend, aber auf Dauer auch etwas anstrengend.«

Ansonsten eine völlig unkritische Rezension.
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Roland Mischke · 05.08.2010


»Die Aktivisten waren vielmehr daran interessiert, Freunde, Freunde von Freunden und Bekannte herauszuholen. Sie arbeiteten nicht kommerziell, mitunter erhielten sie Spenden, manche verschuldeten sich bei dem hohen Zeit- und Kraftaufwand.«
Der Kritiker als unkritischer Wiederkäuer. Die Verschuldungstheorie wurde von Marion Detjen bereits 2005 widerlegt.

»Johnson […] starb vor 26 Jahren in England, vermutlich im Alkoholexzess.« Hat mit diesem Buch nichts zu tun und erübrigt jeden weiteren Kommentar.
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Es liegt noch keine Rezension vor …
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Es liegt noch keine Rezension vor …
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Es liegt noch keine Rezension vor …
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Es liegt noch keine Rezension vor …
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Es liegt noch keine Rezension vor …
© AB · subversionen.de · 05. August 2010 ·